Randomisierte, kontrollierte Studien sind ein wesentliches Instrument zur Sicherung der Behandlungsqualität in der onkologischen Versorgung. Diesen Studien liegen Studienprotokolle zugrunde, die einen Behand-lungsstandard widerspiegeln. Die Recherche und der Zugriff auf diese Protokolle ist aber nicht einheitlich geregelt. Des Weiteren erschweren der nicht standardisierte Aufbau und der unterschiedliche Detaillierungs-grad von Protokollen den Vergleich und die Auswahl eines geeigneten, patientenspezifischen Protokolls. Darüber hinaus gibt es keine marktverfügbaren Softwaresysteme, welche eine protokollgerechte klinische Therapieplanung in einer adäquaten Weise unterstützen.
Ziel des Projektes OncoWorkstation ist die rechnerbasierte Aufbereitung von studienrelevanten, standardisiert aufbereiteten Informationen zur Verbesserung der Qualität und Effizienz in der Behandlung von Tumorpatienten. Hierzu wurde ein internetbasiertes Softwaresystem entwickelt, welches über standardisierte onkologische Studienprotokolle, Therapieschemata sowie eine Therapieplanungskom-ponente verfügt.
Das System wurde auf Basis weit verbreiteter Standards (XSLT/XML/SQL) als Java Servlet realisiert. Sowohl Anwendungs- als auch Autorenmodule sind zur Evaluation unter der Internetadresse www.oncoworkstation.de/ows/home erreichbar.
Bisher sind 14 aktuelle Studienkurzprotokolle des KML eingepflegt worden (Stand Mai 2004). Durch die standardisierte Informationsaufbereitung dieser Protokolle in der OncoWorkstation wird der Arzt beim täglichen Umgang in der protokollbasierten Therapieplanung unterstützten. Neben der Darstellung der Protokollinhalte auf dem Bildschirm gibt es für jedes Protokoll eine standardisierte Druckaufbereitung und eine einheitliche Aufbereitung des Therapieplanes (Flowsheet).
60 Therapieschemata aus Studienprotokollen und Fachliteratur sind in einer standardisierten Form im Werkzeug verfügbar (Stand Juni 2004). Diese sind durch klinik- und protokollspezifische Vorgaben (z.B. zusätzliche Supportiva) erweiterbar.
Bei einer lokalen Installation des Therapieplanungsmoduls in der Klinik ist eine patientenorientierte, individu-elle Therapieplanung mit der Möglichkeit u.a. von Dosismodifikationen und Supportivaergänzungen verfüg-bar.
Die Studienkurzprotokolle werden zusammen mit den beteiligten Studiengruppen evaluiert. Die Praxiserpro-bung des Therapieplanungsmoduls erfolgt zunächst am Städtischen Klinikum "St. Georg" in Leipzig, später bei den medizinischen Partnern des KML und des Kompetenznetzes Pädiatrische Onkologie und Hämatolo-gie.
Nach der Evaluationsphase am Städtischen Klinikum "St. Georg" in Leipzig erfolgt die Erweiterung um neue Protokolle und Therapieschemata, der Aufbau einer Organisationsstruktur für den dauerhaften Betrieb sowie dessen weitere Verbreitung. Inhaltlich wird eine Schnittstelle zu einer einheitlichen, semantisch fundierten Be-griffsbasis definiert sowie weitere Schnittstellen zu klinischen Informationssystemen (HL7), internetba-sierten (Tumor-, Studien-) Registern und zur Unterstützung der Studiendokumentation entwickelt.