Zur Diagnose und Klassifikation der chronischen lymphatischen Leukämie(weitere Infos über den Glossarbegriff Leukämie) (CLL) ist die immunphänotypische Untersuchung
der Lymphozyten(weitere Infos über den Glossarbegriff Lymphozyten) aus dem peripheren Blut notwendig. Charakteristisch für das histologische Bild der CLL ist eine
aufgehobene Lymphknotenarchitektur mit Verlust der Keimzentren und Obliteration der Sinus durch Infiltrate kleiner
lymphatischer Zellen. Die vorherrschenden Zellen sind kleine Lymphozyten mit verklumptem Chromatin, meist rundem Kern
und gelegentlich einem kleinen Nukleolus. Größere lymphatische Zellen (Prolymphozyten und Paraimmunoblasten) werden
regelmäßig gesehen, gewöhnlich angeordnet in Herden, den so genannten Pseudofollikeln oder Proliferationszentren. Der
Nachweis der Leichtkettenrestriktion (kappa- oder lambda-Typ) ist ein wichtiger Hinweis auf die Monoklonalität der
Zellen. Das typische Antigenmuster der CLL-Zellen in der Durchflusszytometrie(weitere Infos über den Glossarbegriff Durchflusszytometrie) oder der Immunhistologie ähnelt dem von
Lymphozyten im Bereich der Mantelzone sekundärer lymphatischer Follikel. Charakteristisch ist die Koexpression des
Antigens CD5 mit einer schwachen Expression von membranständigen Immunglobulinen (IgM mit oder ohne IgD) und der
Expression von B-Zell-assoziierten Membranantigenen wie CD19 und CD23. CD20 wird nur schwach, FMC7 sowie CD79b werden
in der Regel nicht exprimiert.
Chronische lymphatische Leukämie vom B-Zell-Typ (B-CLL)
Die neoplastischen Zellen der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) vom B-Zelltyp sind kleine Lymphozyten mit
scholligem Kernchromatin, rundlichen Kernen und teilweise kleinem Nucleolus. Größere lymphatische Zellen
(Prolymphozyten und Paraimmunoblasten) kommen immer vor. Meistens kommen diese Zellen in Form von so genannten
Pseudofollikeln (Proliferationszentren) oder auch diffus verstreut vor. Wenn Prolymphozyten dominieren (> 55% im
lymphatischen Gewebe und Blut), ist die Diagnose einer Prolymphozytenleukämie zu stellen. In manchen Fällen können die
Lymphomzellen eine plasmazytoide Differenzierung aufweisen in Verbindung mit zytoplasmatischem Immunglobulin(weitere Infos über den Glossarbegriff Immunglobulin) und manchmal auch einer gering ausgeprägten monoklonalen Gammopathie. Diese Fälle entsprechen dann dem lymphoplasmozytoiden Immunozytom der Kiel-Klassifikation(weitere Infos über den Glossarbegriff Kiel-Klassifikation), welches in der R.E.A.L.-Klassifikation der B-CLL zugeordnet wird.
Der Immunophänotyp der B-CLL ist durch folgende Merkmale charakterisiert: Membranständige Expression von IgM (z.T. auch
von IgD), Expression von B-Zell-spezifischen Antigenen (CD19, CD20, CD79a), sowie von CD5, CD23, CD43, fehlende
Expression von CD10. Etwa ein Drittel der Fälle zeigt eine Trisomie 12 oder Anomalien im Bereich von 13q.
Während man früher der Ansicht war, dass die B-CLL aufgrund fehlender somatischer Mutationen im den umgelagerten
Immunglobulingenen ausschließlich von naiven reifen B-Zellen ausgeht, haben weitere Untersuchungen belegt, dass ein
Teil der B-CLL von B-Zellen(weitere Infos über den Glossarbegriff B-Zellen) abstammt, die somatische Mutationen tragen. Die Korrelation der B-CLL Fälle mit und ohne somatische Mutationen ergab, dass sich die Fälle mit somatischen Mutationen günstiger verhielten als die ohne
somatische Mutation(weitere Infos über den Glossarbegriff somatische Mutation). Weitere Untersuchungen brachten zu Tage, dass die Expression von ZAP70
(T-Zellrezeptor-Zeta-Kette-assoziiertes (intrazelluläres) Protein 70) weitgehend auf die B-CLL Fälle ohne somatische
Mutationen beschränkt ist.
Chronische lymphatische Leukämie vom T-Zelltyp (T-CLL)
Weniger als 5% der Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie zeigen die malignen Zellen Merkmale von
T-Lymphozyten(weitere Infos über den Glossarbegriff T-Lymphozyten). Klinisches Bild und Behandlung der Subtypen sind sehr variabel. Die Tumorzellen zeigen meist
T-Zell-assoziierte Marker wie CD7, CD2, CD3, CD5. Die meisten Fälle sind zusätzlich CD4-positiv, wenige CD4- und
CD8-positiv, seltene Fälle nur CD8-positiv. Der T-Phänotyp ist bei der prolymphozytären Leukämie häufiger (bis zu 20
%).
Bei der T-CLL finden sich häufiger Hautinfiltrate und damit fließende Übergänge zur Mykosis fungoides bzw. zum
Sezary-Syndrom (auf diese Krankheitsentitäten wird hier nicht eingegangen).
Große granuläre Lymphozyten-Leukämie
Eine weitere Sonderform chronischer lymphatischer Leukämien ist die Leukämie großer granulärer Lymphozyten (Large
Granular Lymphocyte (LGL)-Leukämie). Es gibt von dieser Leukämieform Fälle mit T-Zell- und Fälle mit NK-Zell-Phänotyp.
Der klinische Verlauf der LGL-Leukämie ist äußerst variabel; meistens finden sich indolente Krankheitsbilder mit mehr
oder weniger ausgeprägter peripherer Zytopenie, manchmal aber auch aggressive Verlaufsformen. Bei der LGL-Leukämie mit
T-Zell-Phänotyp bestehen Beziehungen zur rheumatoiden Arthritis.
Die Texte dieser Seite beruhen auf dem Artikel: M. Hallek et. al.,
"Chronische Lymphatische Leukämie", Dtsch Ärztebl 2002;99:A 1294 -1301 [Heft 19]