Strahlentherapie:
Die gesunden Zellen des Körpers können empfindlich gegenüber ionisierender Strahlung sein, daher lassen sich
Nebenwirkungen manchmal nicht vermeiden. Diese Nebenwirkungen sind abhängig von der Größe und Lage der bestrahlten
Körperregion. Durch die Einführung genauer, Computer-berechneter Strahlenfelder konnten sie jedoch erheblich reduziert
werden. Schleimhautschwellungen in Mund, Speiseröhre oder Darm können manchmal zu Geschmacksstörungen oder Durchfall
führen. Wenn das blutbildende Knochenmark des Beckenknochens und der Wirbelsäule im Strahlenfeld liegt, kann eine
erhöhte Infektanfälligkeit bestehen. In sehr seltenen Fällen tritt schon während der Bestrahlung eine akute
Strahlenreaktion auf ("Strahlenkater" mit Müdigkeit, Übelkeit und Grippe-ähnlichen Symptomen). In einigen Fällen kann
eine Strahlentherapie in gesundem Körpergewebe Spätfolgen verursachen, z. B. narbige Veränderungen. Ganz selten treten
Jahre bis Jahrzehnte nach der Bestrahlung Zweittumoren auf. Eine Bestrahlung der Beckenregion erhöht das Risiko einer
andauernden Fortpflanzungsunfähigkeit (Sterilität).
Chemotherapie:
Durch eine Chemotherapie können auch gesunde Körperzellen, die sich rasch teilen, vorübergehend geschädigt werden.
Dies sind vor allem die Schleimhäute in Mund und Darm (Übelkeit, Durchfall), die Haarwurzeln (Haarausfall) und die
blutbildende Zellen des Knochenmarks. Werden die blutbildenden Zellen in Mitleidenschaft gezogen, können gehäuft
Infekte (Fieber), aber auch Störungen der Blutgerinnung und Blutungen auftreten. Aus diesem Grund sollte bei Fieber
oder anderen Entzündungszeichen sofort der behandelnde Arzt benachrichtigt werden, um eine eventuell notwendige
Antibiotikatherapie einzuleiten. In manchen Fällen ist sogar die Gabe eines Wachstumsfaktors (G-CSF) für die Bildung
der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) notwendig, um lebensgefährliche Infektionen zu vermeiden. Diese "akuten"
Nebenwirkungen treten nicht sofort, sondern mit einer Verzögerung von Stunden bis Tagen nach der Chemotherapie auf.
Manche der Substanzen können darüber hinaus zu Organschäden führen. Außerdem kann das Risiko für das Auftreten eines
Zweittumors erhöht sein. Über die speziellen Nebenwirkungen der einzelnen Medikamente sollten Sie Ihren behandelnden
Arzt befragen.
Mögliche Folgen der Chemotherapie sind Sterilität (Störungen der Gonadenfunktion: Azoospermie bei Männern bzw.
Amenorrhoe bei Frauen), eine pulmonale Toxizität im Rahmen einer Bleomycinbehandlung, eine Kardiotoxizität im Rahmen
einer Anthrazyklintherapie und vor allem nicht-lymphatische Leukämien (bis zu 10% in den ersten 10 Jahren), besonders
bei kombinierter Chemo- und Radiotherapie. Trotz aller Risiken und Nebenwirkungen sollte man aber immer daran denken,
dass die Chemotherapie eine Chance auf Heilung, zumindest aber eine Chance auf Linderung, bietet.
Zytokintherapie:
Zytokine sind körpereigene Substanzen, die als Botenstoffe zwischen verschiedenen Blutzellen fungieren. Ein
bekannter Vertreter dieser Gruppe ist das Interferon-alpha. Zytokine erhöhen die Abwehrbereitschaft mancher Zellen und
können Zellen dazu bringen, sich gegen bösartige Zellen zu wehren und diese zu zerstören. Auch wenn sich diese Art der
Therapie sanft und "natürlich" anhört, ist sie nicht frei von Nebenwirkungen. Fieber, Übelkeit, Gliederschmerzen,
Kopfschmerz und allergische Reaktionen gehören leider oft dazu. Die verschiedenen Zellen und Botenstoffe des
Abwehrsystems beeinflussen sich auf sehr komplexe Art. Noch immer hat man diese Wechselwirkungen nicht vollständig
verstanden.
Antikörpertherapie:
Trotz vielversprechender Behandlungsergebnisse (insbesondere bei niedrig malignen NHL) ist auch die Antikörpertherapie nicht frei von Nebenwirkungen, diese sind aber im Vergleich zur Strahlen- und Chemotherapie deutlich geringer. Nach der Gabe des Antikörpers Rituximab (MabThera®) wurden am häufigsten Allgemeinsymptome wie Fieber (42% der Patienten), Schüttelfrost (28%), Übelkeit (18%) und Kopfschmerzen (14%) beobachtet.