Unter den Non-Hodgkin-Lymphomen gibt es eine Vielzahl von Lymphomtypen. Der Grund dafür ist die große Zahl
verschiedener Lymph- und Abwehrzellen. Sie alle können zu unterschiedlichen Zeitpunkten ihrer Entwicklung ("Reifung")
entarten und so zu einer Krebserkrankung führen. Wichtig ist die Unterteilung der Lymphome in indolente
(niedrigmaligne) und aggressive (hochmaligne) Formen. In der indolenten (niedrigmalignen) Gruppe (ca. 70% aller NHL)
wird das histologische Bild von kleinen, reifen Lymphozyten beherrscht (zytisch), während bei den aggressiven
(hochmalignen) Formen (ca. 30% aller NHL) große, unreife Zellen vorherrschen (blastisch). Von der B-Zell-Reihe
ausgehende Neoplasien (Vorstufen eines malignen Tumors) sind in beiden Gruppen deutlich häufiger als
T-Zell-Neoplasien.
Indolente Lymphome sind chronische Krankheiten, die sich durch Behandlung gut zurückdrängen lassen, aber in der Regel
nicht heilbar sind. Die in früheren Nomenklaturen eigenständig benannten Erkrankungen wie Morbus Waldenström, Mycosis
fungoides und Sézary-Syndrom sind nun in der WHO-Klassifikation Bestandteil der indolenten (niedrigmalignen) NHL und
werden im Folgenden nur dann gesondert erwähnt, falls ihre Behandlung von den angegebenen Richtlinien abweicht.
Aggressive Lymphome sind rasch verlaufende Krankheiten, bei denen bereits mit der ersten, häufig sehr intensiven
Behandlung eine Heilung erzielt werden soll, da sich sonst die Prognose verschlechtert.
Therapie der
Non-Hodgkin-Lymphome
Die wichtigsten Non-Hodgkin-Lymphome werden hier kurz aufgeführt:
Chronische lymphatische Leukämie (CLL):
Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) gehört zu den häufigsten NHL (ca. 20% aller NHL) und ist gleichzeitig
der häufigste weiße Blutzellkrebs bei Erwachsenen in der westlichen Welt. Sie ist eine Erkrankung des Alters und wird
auch als chronische Lymphadenose bezeichnet. Es bilden sich Zellen mit relativ hoher Differenzierungsfähigkeit,
und es kommt zu einer Ansammlung von immun-inkompetenten B- oder T-Lymphozyten. In Abhängigkeit von den sich
ansammelnden B-Lymphozyten oder T-Lymphozyten unterscheidet man die B-CLL (häufig) und die T-CLL, die mit ca. 3% eher
selten ist.
Follikuläre Lymphome:
Die Bezeichnung Follikuläre Lymphome stammt aus der WHO-Klassifikation und umfasst die
zentroblastisch/zentrozytische Lymphome der Kiel-Klassifikation. Es handelt sich um Erkrankungen der normalen
Keimzentrumszellen der Sekundärfollikel, die etwa 25% aller NHL-Fälle ausmachen und somit zu den häufigsten
(zweithäufigsten in Europa, in Nordamerika sogar die häufigsten) Formen der malignen Lymphome zählen. Sie verlaufen in
der Regel über mehrere Jahre (indolent) und müssen nicht immer sofort behandelt werden. Meist wird die Diagnose erst in
fortgeschrittenen Stadien gestellt. In 25% der Fälle kann eine spontane Regression auftreten. In bis zu 20% der Fälle
erfolgt im langjährigen Verlauf eine Umwandlung in ein sekundäres aggressives NHL. Eine charakteristische chromosomale
Veränderung der follikulären Lymphome ist die Translokation t(14;18).
Haarzell-Leukämie:
Die Haarzell-Leukämie ist ein seltenes Lymphom, das durch den Nachweis typischer "Haarzellen" im Blut
gekennzeichnet ist. Sie gehört mit etwa 100 bis 200 Erkrankungen pro Jahr zu den seltenen, der CLL-ähnlichen NHL (ca.
3% aller NHL). Die Erkrankung besitzt einen chronischen (indolenten) Verlauf über zehn und mehr Jahre.
Immunozytom:
Das Immunozytom macht ca. ca. 19% aller NHL-Fälle aus. Es entsteht durch monoklonale Vermehrung von lymphoiden
Zellen der B-Zell-Reihe, die normalerweise IgM produzieren und sezernieren. Der lymphoplasmozytische Subtyp (ca. 30%)
des Immunozytoms (nach WHO-Klassifikation) entspricht weitgehend der früher gebräuchlichen Krankheitsbezeichnung
Morbus Waldenström. Typisch für das Immunozytom ist ein Immunglobulin-Paraprotein vom IgM-Typ, das
Durchblutungsstörungen hervorrufen kann und als diagnostischer Marker verwendet wird.
Kutane T-Zell-Lymphome (Mycosis fungoides und Sézary-Lymphom):
Kutane T-Zell-Lymphome sind Lymphome der Haut, die sich aus dem unkontrollierten Wachstum bösartiger Lymphozyten
entwickeln. Ein kutanes T-Zell-Lymphom entwickelt sich normalerweise langsam über mehrere Jahre. In frühen Stadien kann
die Haut jucken und trocken sein, es können sich auch dunklere Flecken entwickeln. Wenn die Krankheit sich
verschlimmert, können Verdickungen (Tumore) auf der Haut entstehen, ein Zustand der auch mit dem Namen Mycosis
Fungoides bezeichnet wird. Wenn immer größere Bereiche der Haut befallen werden, kann es zusätzlich zu einer
Infektion kommen. Die Krankheit kann sich in Lymphknoten oder in andere Organe, wie Milz, Lunge oder Leber, ausbreiten.
Wenn eine große Zahl bestimmter Tumorzellen im Blut gefunden wird, wird dieser Zustand auch als Sézary-Syndrom
bezeichnet. Solange ein kutanes T-Zell-Lymphom nur kutan vorliegt, ist es gut lokal behandelbar. Eine systemische
Verbreitung macht jedoch eine systemische Therapie erforderlich.
MALT-Lymphom:
Der Magen ist das häufigste Manifestationsorgan (5 - 8%) extranodaler Non-Hodgkin-Lymphome. Etwa 1 - 3% aller
Krebserkrankungen im Magen-Darm-Trakt sind Magenlymphome. Die häufigste Form ist das MALT-Lymphom. Die seltenen meist
niedrigmalignen MALT-Lymphome gehen vom Schleimhaut-assoziierten lymphatischen Gewebe (z.B. des Magen-Darm-Traktes) aus
(MALT = mucosa-associated lymphoid-like tissue). Sie sind sehr oft eine Folge einer chronischen Helicobacter-Gastritis
(Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori). In ganz frühen Stadien können MALT-Lymphome durch Antibiotika
geheilt werden.
Plasmozytom (Multiples Myelom):
Das Plasmozytom ist eine Krebserkrankung, die von B-Lymphozyten ihren Ausgang nimmt und zu der Gruppe der
niedrigmalignen Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) gehört. Es geht von Plasmazellen aus, die sich im Knochenmark aus den
Immunzellen entwickeln. Ein Plasmozytom, das an mehreren Stellen auftritt, bezeichnet man als Multiples Myelom.
Die Ursachen für die Entstehung sind noch ungeklärt. Das vorherrschende Symptom sind Knochenschmerzen. Charakteristisch
für das Plasmozytom ist die Bildung monoklonaler Antikörper, die sowohl im Blut als auch im Urin nachgewiesen werden
können.
Burkitt-Lymphom:
Das Burkitt-Lymphom ist eine Krebserkrankung, die von B-Lymphozyten ausgeht und zu den aggressiven
Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) gehört. Es sind verschiedene Formen des Burkitt-Lymphoms bekannt. Die größte Bedeutung hat
das endemische Burkitt-Lymphom, das in malariaverseuchten Gebieten Afrikas gehäuft auftritt und bevorzugt Kinder
im Alter von 3 bis 8 Jahren befällt. In Deutschland macht das Burkitt-Lymphom etwa 4% aller NHL aus. Von wesentlicher
Bedeutung für die Entstehung dieses Tumors scheint das Epstein-Barr-Virus zu sein. Das Burkitt-Lymphom ist ein extrem
rasch wachsender Tumor, der vorwiegend an Organen der Bauchhöhle und im Gesicht auftritt. Eine charakteristische
chromosomale Veränderung des Burkitt-Lymphoms ist die Translokation t(8;14). Etwa 30-40% der HIV-assoziierten NHL sind
Burkitt-Lymphome.
Diffus großzellige B-Zell-Lymphome:
Die diffus großzelligen B-Zell-Lymphome machen etwa einen Drittel aller NHL-Fälle aus und stellen somit die
häufigste Form der malignen Lymphome. Die Bezeichnung diffus großzellige B-Zell-Lymphome umfasst die centroblastischen,
immunoblastischen, großzellig-anaplastischen und die T-Zell-reichen B-Zell-Lymphome. Sie zählen zu den aggressiven
(hochmalignen) Lymphomen und machen etwa 80-90% aller Erkrankungen dieser Gruppe aus. Etwa 60% HIV-assoziierter NHL
sind Burkitt-Lymphome.
Mantelzell-Lymphome:
Die Mantelzell-Lymphome machen rund 5% aller NHL-Fälle aus und sind durch einen sehr aggressiven klinischen Verlauf
charakterisiert. Sie können aber bisher wie indolente Lymphome nicht dauerhaft geheilt, sondern nur zeitweise
zurückgedrängt werden. Eine charakteristische chromosomale Veränderung in ca. 75% der Mantellzell-Lymphome ist die
Translokation t(11;14).
Therapie der
Non-Hodgkin-Lymphome
Eine Tabelle zur Klassifikation der Lymphome gibt es in der Broschüre "Maligne Lymphome", die gemeinsam von der Deutschen Leukämie- & Lymphom-Hilfe e.V. und dem Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V. herausgegeben wird. Sie kann im Bereich "Broschüren" heruntergeladen werden:
Broschürenbereich
Pathologie
& Klassifikation (Fachinformationen)