| Autor: | Dr. Stefan Knop(weitere Infos über die Person Dr. Stefan Knop) | Text wurde erstellt am: | 06.12.2007 | |||
| Editor: | Silke Hellmich(weitere Infos über die Person Silke Hellmich) | Letzte inhaltliche Aktualisierung: | 06.12.2007 |
1996 zeigten Studien, dass eine Chemotherapie(weitere Infos über den Glossarbegriff Chemotherapie) mit hochdosiertem, über die Vene verabreichten Melphalan und eine anschließende Rückgabe von zuvor gewonnenen Blutstammzellen des Patienten (autologe Stammzelltransplantation) wirksamer waren als die konventionelle Chemotherapie. So konnte der neue Therapieansatz das krankheitsfreie Überleben sowie das Gesamtüberleben verlängern. Sieben Jahre später zeigte eine französische Arbeitsgruppe, dass zwei hintereinander geschaltete autologe Stammzelltransplantationen der einfachen Behandlung deutlich überlegen sind. Weitere Studien ergaben, dass die Hochdosis-Chemotherapie mit Melphalan in einer Dosierung von 200 mg/m2 ebenso effektiv ist, wie Hochdosistherapien mit anderen Zytostatika(weitere Infos über den Glossarbegriff Zytostatika) oder eine Ganzkörperbestrahlung, dabei aber deutlich weniger Nebenwirkungen aufweist.
Wann immer möglich, sollte bei Vorliegen eines behandlungsbedürftigen Myeloms daher eine Hochdosis-Chemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation angestrebt werden. Für Patienten bis zu einem Alter von etwa 70 (–75) Jahren gilt sie heutzutage als Standardbehandlung. Abhängig vom Alter der Patienten wird bei der Dosierung des Melphalans noch einmal unterschieden: Patienten bis zu 60 (65) Jahren erhalten Melphalan in einer Dosierung von 200 mg/m2 als Hochdosis-Chemotherapie. Ältere Patienten erhalten typischerweise eine geringere Dosierung von 140 mg/m2 Melphalan als Hochdosis-Chemotherapie.
Vor der eigentlichen Hochdosistherapie mit Melphalan und der Stammzelltransplantation muss die Erkrankung soweit wie möglich zurückgedrängt werden. Zudem müssen autologe Blutstammzellen(weitere Infos über den Glossarbegriff Blutstammzellen) vom Patienten gewonnen werden. Hierzu wird im Abstand von jeweils mehreren Wochen zunächst zwei- bis viermal eine so genannte Induktionschemotherapie verabreicht. Sie hat das Ziel, möglichst viele Tumorzellen zu zerstören, ohne dabei das Knochenmark(weitere Infos über den Glossarbegriff Knochenmark) und seine Stammzellen zu schädigen. Hierbei können verschiedene Behandlungsschemata und chemotherapeutische Substanzen zum Einsatz kommen. Die Deutsche Studiengruppe Multiples Myelom (DSMM) überprüft zurzeit die Wirksamkeit eines Schemas mit den Substanzen Bortezomib, Cyclophosphamid und Dexamethason.
Die Blutstammzellen werden üblicherweise im Anschluss an eine weitere, intensivere Chemotherapie gewonnen (so genannte Stammzellmobilisierung). Die DSMM setzt hier z.B. eine Kombinations-Chemotherapie aus Ifosfamid, Epirubicin und Etoposid ein, welche über drei Tage verabreicht wird. Direkt im Anschluss wird über mehrere Tage ein Wachstumsfaktor (Granulozyten(weitere Infos über den Glossarbegriff Granulozyten)-Kolonie-stimulierende-Faktoren = G-CSF) unter die Haut gespritzt, damit die Blutstammzellen vom Knochenmark in das Blut des Patienten übergehen. Nach ca. 10-12 Tagen können diese Vorläuferzellen im Blut nachgewiesen und durch ein Blutwäscheverfahren (die so genannte Leukapherese) gewonnen werden. Die gesammelten Blutstammzellen werden tiefgefroren (Kryokonservierung).
Nach einer Erholungsphase von ca. zwei Wochen erhält der Patient dann die Hochdosis-Chemotherapie mit Melphalan. Sie soll das Knochenmark des Patienten zerstören. Anschließend werden die Blutstammzellen wieder aufgetaut und dem Patienten wie eine Infusion über die Vene zurückgegeben. Über die Blutbahn gelangen sie in die »leeren« Knochenmarkräume des Patienten. Nach ihrer Wiederansiedlung und dem Wiederaufbau des durch die Hochdosis-Chemotherapie zerstörten Knochenmarks setzt nach ca. 10-14 Tagen die Blutbildung wieder ein. In dieser Zeitspanne treten nicht selten Infektionen auf, die mit Antibiotika behandelt werden müssen, aber in der Regel gut beherrscht werden können. Im Durchschnitt dauert der Klinikaufenthalt für die Hochdosis-Chemotherapie und die autologe Stammzelltransplantation etwa drei Wochen.
Erst zwei bis vier Monate nach Beginn des ersten wird ein zweiter Hochdosistherapiezyklus gegeben, der prinzipiell identisch abläuft. Die gesamte Zeitdauer dieser »Primärtherapie«, welche die Induktionsbehandlung, die Stammzellmobilisierung, die Hochdosis-Chemotherapie und die autologe Stammzelltransplantation erfasst, beträgt also in etwa acht bis neuen Monate. Je nachdem, ob der Patient im Rahmen einer klinischen Studie behandelt wird, schließt sich ggf. noch eine »Konsolidierungstherapie« (i.d.R. eine intensivere, Chemotherapie) oder eine »Erhaltungstherapie« (i.d.R. eine milde Behandlung, meist in Tablettenform) an. Diese wird entweder über einen definierten Zeitraum durchgeführt oder dauerhaft bis zu einem etwaigen Krankheitsrückfall.
konventionelle
Chemotherapie
allogene
Blutstammzelltransplantation
neue
Substanzen: Thalidomid, Lenalidomid und Bortezomib
Nebenwirkungen und Spätfolgen