| Autor: | Dr. Stefan Knop(weitere Infos über die Person Dr. Stefan Knop) | Text wurde erstellt am: | 06.12.2007 | |||
| Editor: | Silke Hellmich(weitere Infos über die Person Silke Hellmich) | Letzte inhaltliche Aktualisierung: | 06.12.2007 |
Wenn der Verdacht auf ein multiples Myelom besteht, wird der behandelnde Arzt den Patienten zunächst zu seinem derzeitigen Befinden (z.B. Knochenschmerzen, Leistungsfähigkeit), vorausgegangenen oder gegenwärtig bestehenden Erkrankungen und Lebensgewohnheiten befragen (Anamnese(weitere Infos über den Glossarbegriff Anamnese)) und ihn anschließend gründlich körperlich untersuchen.
Zur Sicherung der Diagnose sind eine Knochenmarkuntersuchung sowie Blut- und Urinuntersuchungen erforderlich: Nach einer Knochenmarkpunktion(weitere Infos über den Glossarbegriff Knochenmarkpunktion) wird das gewonn ene Gewebematerial feingeweblich untersucht und der Gehalt der Plasmazellen im Knochenmark ermittelt. Das durch die Blutabnahme gewonnene Blutserum und das über 24 Stunden gesammelte Urin werden daraufhin untersucht, ob und welche Antikörper(weitere Infos über den Glossarbegriff Antikörper) bzw. Antikörperbruchstücke (Paraproteine) von den Myelomzellen gebildet wurden und wie hoch ihr Anteil ist. Hier kommen spezielle Analysemethoden zum Einsatz (so genannte Eiweißelektrophorese und Immunfixation). Die Messergebnisse dienen nicht nur der Diagnosesicherung, sondern erlauben auch eine Eingrenzung des Paraprotein-Typs.
Darüber hinaus werden weitere Blutwerte erhoben: Die Messung des β2-Mikroglobulins und des Albumin(weitere Infos über den Glossarbegriff Albumin)s ist zur Festlegung des Krankheitsstadiums notwendig. Die Analyse des Blutbildes gibt darüber Auskunft, ob die im Knochenmark angesiedelten Myelomzellen eine Störung der Blutbildung (z.B. Blutarmut) verursacht haben.
Eine Bestimmung der Nierenwerte gestattet Rückschlüsse auf die Nierenfunktion. Die Messung der Kalziumkonzentration im Blutserum kann Hinweise auf die Ausdehnung des Knochenbefalls durch das multiple Myelom liefern. Das exakte Ausmaß der Knochenzerstörung und eine eventuell vorliegene Knochenbruchgefahr kann aber nur durch Röntgenverfahren erfasst werden. Klassischerweise werden deshalb große Teile des Knochenskeletts geröntgt (Schädel, Wirbelsäule, Oberarmknochen, Beckenknochen, Oberschenkelknochen). Inzwischen kann das Skelettsystem aber auch mit einer Computertomographie(weitere Infos über den Glossarbegriff Computertomographie) des ganzen Körpers abgebildet werden. Charakteristisch für das multiple Myelom sind umschriebene, wie ausgestanzt wirkende Knochendefekte, so genannte Osteolyse(weitere Infos über den Glossarbegriff Osteolyse)n (siehe Abbildung 1). Eine Skelettszintigraphie sollte beim multiplen Myelom zur Beurteilung des Knochenbefalls nicht durchgeführt werden, da sie nicht zum Informationsgewinn beiträgt.
Abbildung 1: Rekonstruktion einer Oberarmknochenfraktur infolge von Osteolysen beim multiplen Myelom. Der fette Pfeil weist auf die Bruchlinie. Der schlanke Pfeil kennzeichnet die in das Knochenmark eingedrungenen Myelomzellen.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von PD Dr. Marius S. Horger, Universitätsklinikum Tübingen.
Um die Prognose im Einzelfall besser abschätzen zu können, sollte heutzutage im Rahmen der Diagnosestellung eine zytogenetisch(weitere Infos über den Glossarbegriff zytogenetisch)e Untersuchung vorgenommen werden. Dabei wird analysiert, ob die entarteten Plasmazellen, in ihrem Zellkern(weitere Infos über den Glossarbegriff Zellkern) Störungen der Chromosomen(weitere Infos über den Glossarbegriff Chromosomen) (Erbanlagen) - so genannte chromosomale Aberrationen - aufweisen. So sind z.B. Anomalien des Chromosoms 13, ein Austausch des genetischen Materials zwischen Chromosom 4 und 14 (Translokation) oder ein Verlust des kurzen Arms von Chromosom 17 (Deletion) mit einer schlechten Prognose verbunden. Ob es sinnvoll ist, bei solchen Patienten mit prognostisch ungünstigen, Chromosomenaberration(weitere Infos über den Glossarbegriff Chromosomenaberration)en von vornherein ein intensiveres Therapiekonzept einzuschlagen, wird derzeit in klinischen Studien untersucht. Weitere Informationen hierzu geben die Myelom-Studiengruppen im Kompetenznetz.