| Autor: | Dr. Stefan Knop(weitere Infos über die Person Dr. Stefan Knop) | Text wurde erstellt am: | 06.12.2007 | |||
| Redakteur: | Silke Hellmich(weitere Infos über die Person Silke Hellmich) | Letzte inhaltliche Aktualisierung: | 29.04.2010 |
Das multiple Myelom ist eine bösartige Erkrankung, die zur Gruppe der sogenannten "niedrigmalignen Non-Hodgkin-Lymphome" (NHL) gehört und bei der die Plasmazellen bösartig entartet sind. Plasmazellen reifen normalerweise aus B-Lymphozyten(weitere Infos über den Glossarbegriff B-Lymphozyten) – einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) – heran und produzieren Antikörper(weitere Infos über den Glossarbegriff Antikörper), die gegen Krankheitserreger gerichtet sind (z.B. Antikörper gegen Bakterien(weitere Infos über den Glossarbegriff Bakterien)).
Die beim multiplen Myelom entarteten Plasmazellen – sie werden Myelomzellen genannt – produzieren in großen Mengen Antikörper oder Antikörperbruchstücke, welche jedoch funktionslos und daher für die Infektabwehr untauglich sind. Durch eine unkontrollierte Vermehrung von Myelomzellen im Knochenmark(weitere Infos über den Glossarbegriff Knochenmark) – dem Ort der Blutbildung – wird die Ausreifung von gesunden Blutzellen gestört, was zu einer erhöhten Infektanfälligkeit beiträgt und oft eine Blutarmut mit Müdigkeit und Leistungsverlust zur Folge hat.
Botenstoffe der fehlerhaft im Knochenmark angesiedelten Myelomzellen zerstören zudem die Knochensubstanz, stören den Kalziumhaushalt und erhöhen so die Gefahr für schmerzhafte Knochenbrüche. Die von den Myelomzellen gebildeten Antikörperbruchstücke lagern sich oft in der Niere ab und bewirken eine Störung der Nierenfunktion.
Das multiple Myelom ist eine seltene Erkrankung. Meistens betrifft sie ältere Patienten. Ihre Ursache ist
unbekannt.
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Abnehmende Leistungsfähigkeit, Knochenschmerzen und eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte sind nur einige der meist
uncharakteristischen Anzeichen für ein multiples Myelom.
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Beim multiplen Myelom können die Krankheitsherde das gesamte Knochenmark betreffen – die Erkrankung lässt sich
deshalb nicht lokalisieren. Wenn sich die Myelomzellen durch die zur Verfügung stehende Diagnostik(weitere Infos über den Glossarbegriff Diagnostik) nur an
einer Körperstelle nachweisen lassen, so spricht man von einem (solitären) Plasmozytom. Das multiple Myelom kann nach
der Art der fehlerhaft produzierten Antikörper(-bruchstücke) (Paraprotein-Typ) und nach dem Krankheitsstadium
(International Staging System) eingeteilt werden.
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Die Diagnose wird mittels einer Knochenmarkuntersuchung und der Untersuchung des Blutes bzw. Urins gesichert.
Weitere Blutuntersuchungen und Röntgenuntersuchung(weitere Infos über den Glossarbegriff Röntgenuntersuchung)en erlauben die Abschätzung, ob eine so genannte symptomatische
Erkrankung vorliegt, und eine Prognose des Kranheitsverlaufs.
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Nur bei Vorliegen einer symptomatischen Erkrankung muss das multiple Myelom behandelt werden. Standardmäßig besteht
die Behandlung aus einer (konventionellen) Induktionschemotherapie gefolgt von einer intensiveren Chemotherapie zur
Blutstammzellgewinnung, an die sich dann eine Hochdosis-Chemotherapie mit Blutstammzellrückgabe (autologe
Stammzelltransplantation) anschließt. Substanzen wie z.B. Thalidomid, Lenalidomid und Bortezomib erweitern derzeit
das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten. Eine Heilung ist nach derzeitigem Kenntnisstand aber nur durch eine allogene Stammzelltransplantation(weitere Infos über den Glossarbegriff allogene Stammzelltransplantation) möglich.
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Die Nebenwirkungen der Chemotherapie umfassen häufig Übelkeit, Haarausfall, eine Entzündung der Mundschleimhaut
sowie eine Verschlechterung des Blutbild(weitere Infos über den Glossarbegriff Blutbild)es. Sie bilden sich nach der Behandlung in der Regel wieder zurück. Als
Spätfolgen der Hochdosis-Chemotherapie wurden Blutbildungsstörungen beobachtet. Die Behandlung mit Aminobisphosphonaten
kann langfristig auch zu einer Zerstörung des Kieferknochens führen.
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Gelingt es mit der Behandlung, die Erkrankung zurückzudrängen, so schließen sich regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen
an, um einen möglichen Krankheitsrückfall frühzeitig zu erkennen.
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Die Behandlung des multiplen Myeloms wurde vor allem mit Hilfe von Therapieoptimierungsstudie(weitere Infos über den Glossarbegriff Therapieoptimierungsstudie)n weiterentwickelt und
verbessert. Auch für die Zukunft ist es wichtig, dass sich Patienten in Studien behandeln lassen. In Deutschland gibt
es zwei Studiengruppen, die Studien zu multiplen Myelomen durchführen: die Deutsche Studiengruppe Multiples Myelom
(DSMM) und die German Speaking Myeloma Multicenter Group (GMMG) in Heidelberg. Beide Studiengruppen sind seit 2003
Mitglied im Kompetenznetz Maligne Lymphome und präsentieren sich und ihre Studien auf dieser Website.
KML-Studiengruppen zum multiplen
Myelom
Außerdem können Sie auf unserer Website nach Krankenhäusern und Facharztpraxen in Ihrer Nähe suchen. Diese
Einrichtungen arbeiten bei der Behandlung von multiplen Myelomen im Rahmen klinischer Studien mit dem Kompetenznetz
zusammenarbeiten. An sie können Sie sich für eine persönliche Beratung wenden.
Zentrensuche
Für weiterführende Fachinformationen haben wir Ihnen eine kleine Literaturübersicht zusammengestellt.
Weiterführende
Literatur