Kompetenznetz Maligne Lymphome
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Phasen klinischer Studien

Die Entwicklung neuer Behandlungen läuft in verschiedenen Phasen ab. Dies soll am Beispiel der Medikamentenentwicklung kurz dargestellt werden. Der Ablauf der Entwicklung ist eng mit den unterschiedlichen Phasen der klinischen Studien verbunden Am Anfang der Entwicklung stehen so genannte präklinische Studien. Hierbei wird das neue Medikament im Labor getestet (z.B. mit Hilfe von Tierversuchen) und die Wirksamkeit und Sicherheit untersucht. Nur diejenigen Medikamente, die diese Bedingungen erfüllen, werden im weiteren Verlauf in klinischen Studien eingesetzt. Sollte sich im Laufe dieser Untersuchungen dennoch herausstellen, dass das Medikament nicht sicher ist oder keine ausreichende Wirksamkeit hat, wird die weitere Entwicklung eingestellt.

Als nächster Schritt erfolgen erste Untersuchungen an einer kleinen Zahl an Patienten. Hierbei soll vor allem die Sicherheit des Medikamentes überprüft werden. Stellt sich dabei das Medikament als sicher heraus, wird es im weiteren Verlauf an einer größeren Zahl von Patienten getestet, um die Wirksamkeit abschätzen zu können. Erfüllt das Medikament die Erwartungen an die Wirksamkeit bei entsprechender Verträglichkeit, wird es in einer randomisiert-kontrollierten Studie mit der Standardbehandlung verglichen. Sind diese Studien erfolgreich, kann das Medikament durch die zuständigen Behörden zugelassen werden. Erst dann ist das Medikament auch für Patienten außerhalb klinischer Studien verfügbar.

Phase-I-Studien

Diese Studien sind der erste Schritt in der Prüfung neuer Behandlungsmöglichkeiten an Menschen. Wichtige Fragen, die im Rahmen dieser Studien untersucht werden, sind:

  • Welche Dosis kann einem Menschen höchstens verabreicht werden?
  • Welches ist die optimale Dosis (z.B. bestes Verhältnis zwischen Verträglichkeit und Wirksamkeit; in der Krebsbehandlung geht man meist davon aus, dass die höchste Dosis, die vertragen wird, auch die wirksamste ist)?
  • Welche Nebenwirkungen treten bei Verabreichung des Medikamentes auf (Nebenwirkungsprofil)?
  • Auf welche Art wird das Medikament am besten verabreicht (z.B. als Tablette oder als Infusion)?
  • Wie verteilt sich das Medikament im Körper und wie wird es durch den Körper wieder ausgeschieden?

Da die Medikamente vorher nur in Tierversuchen getestet wurden, besteht für die Patienten hier ein höheres Risiko im Vergleich zu anderen Studien. Um dieses Risiko so gering wie möglich zu halten, werden die ersten Patienten mit sehr niedrigen Medikamentendosen behandelt. Nur wenn hierbei keine gravierenden Nebenwirkungen auftreten, wird die Dosis im weiteren Verlauf der Studie gesteigert.

Die Anzahl der Patienten für diese Studien ist meist sehr gering und liegt bei circa 10 bis 40 Personen pro Studie. Je nach Medikament kann es sein, dass mehrere Phase-I-Studien durchgeführt werden. Im Gegensatz zu anderen Bereichen der Medizin werden Krebsmedikamente aufgrund ihrer nicht unerheblichen Nebenwirkungen in Phase-I-Studien nicht bei gesunden Personen, sondern ausschließlich bei Tumorpatienten untersucht. In den meisten Fällen können nur solche Patienten eingeschlossen werden, für die keine bewährten Behandlungsmöglichkeiten mehr existieren, für deren Erkrankung aber eine (wenn auch geringe) Chance des Ansprechens auf das zu prüfende Medikament besteht.

Phase-II-Studien

Im Rahmen dieser Studien geht es vor allem darum zu sehen, ob die Behandlung die gewünschten Wirkungen zeigt. In den allermeisten Fällen soll die Frage beantwortet werden, ob der Tumor durch die Behandlung kleiner wird. Da das Medikament vorher nur an einer begrenzten Zahl von Patienten eingesetzt wurde, werden auch in diesen Studien die Nebenwirkungen genau untersucht. Aufgrund der begrenzten Erfahrungen besteht auch hier ein gewisses Risiko für die Studienteilnehmer.

Pro Studie werden zwischen 30 und bis zu mehrere hundert Patienten eingeschlossen. In der Regel werden mehrere Phase-II-Studien durchgeführt. In bestimmten Fällen wird in einer Phase-II-Studie eine Patientengruppe mit einer anderen Patientengruppe verglichen (Ablauf & Methodik). Meist werden hierbei verschiedene Dosierungen des gleichen Medikaments verglichen.

Phase-III-Studien

Hat sich ein Medikament in Phase-II-Studien als wirksam erwiesen, wird es in Phase-III-Studien mit der Standardtherapie verglichen. Diese Studien sind notwendig, da z.B. das Kleinerwerden eines Tumor noch nicht bedeutet, dass das Medikament effektiv, d.h. die Patienten hierdurch länger leben, und es besser oder zumindest gleichwertig zur bisherigen Standardtherapie ist. Aus diesem Grund wird es direkt mit der Standardtherapie verglichen. Im Rahmen dieser Studien werden die Patienten meistens durch eine zufällige Verteilung (Randomisierung) entweder mit dem neuen Medikament oder der Standardtherapie behandelt.

Phase-III-Studien liefern darüber hinaus zusätzliche Informationen zu den Nebenwirkungen. Pro Studie werden mehrere hundert, in bestimmten Fällen auch mehrere tausend Patienten eingeschlossen. Solche großen Studien erlauben es, die Wirkung und die Nebenwirkungen mit vergleichsweiser großer Sicherheit zu bestimmen.

Neben den Ergebnissen aller vorhergehenden Untersuchungen ist das Ergebnis der Phase-Ill-Studie ausschlaggebend für die abschließende Entscheidung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, ob ein neues Arzneimittel zugelassen wird oder nicht.

Phase-IV-Studie

In Phase-IV-Studien stehen zugelassene Medikamente auf dem Prüfstand. Während in Phase-III-Studien nur eine begrenzte Anzahl an Patienten behandelt wurde, kann jetzt ein wesentlich größerer Kreis von Patienten an der Studie teilnehmen. Gerade bei Krebserkrankungen werden diese auch als Therapie-Optimierungs-Studien bezeichneten Studien besonders häufig durchgeführt. Ziel ist dabei immer, die Behandlungsergebnisse zu verbessern, indem die Heilungschancen vergrößert oder die Lebensqualität verbessert werden. Der Unterschied zur allgemein üblichen Therapie ist im Rahmen von Therapie-Optimierungs-Studien nicht sehr groß, das Risiko für den beteiligten Patienten ist dementsprechend gering. Da bei Phase-IV-Studien ausschließlich bereits zugelassene Medikamente angewendet werden, ist das wirtschaftliche Interesse der Pharmaindustrie an der Durchführung dieser Studien gering. Ganz überwiegend werden Therapie-Optimierungs-Studien daher unabhängig von der pharmazeutischen Industrie durch Ärzte durchgeführt, die unmittelbar in der Patientenversorgung tätig sind. Die Finanzierung dieser Studien erfolgt in der Regel durch öffentliche Mittel.

Auch bei den Studien, die von den im KML zusammengeschlossenen Studiengruppen durchgeführt werden, handelt es sich ganz überwiegend um Therapie-Optimierungs-Studien mit bereits zugelassenen Medikamenten. Diese Studien haben entscheidend dazu beigetragen, dass sich die Behandlungserfolge für die meisten Formen maligner Lymphome in den zurückliegenden Jahren fortlaufend verbessert haben.

KML-Studiengruppen

  • Deutsche Hodgkin Lymphom Studiengruppe (GHSG)
  • Hodgkin-Studiengruppe der Gesellschaft für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie (GPOH-HD)
  • Deutsche Studiengruppe Hochmaligne Non-Hodgkin Lymphome (DSHNHL)
  • Deutsche Studiengruppe Niedrigmaligne Lymphome (GLSG)
  • Europäisches Mantelzell-Lymphom Netzwerk (EMCLN)
  • Deutsche CLL Studiengruppe (DCLLSG)
  • Ostdeutsche Studiengruppe für Hämatologie und Onkologie e.V. (OSHO)
  • Deutsche Studiengruppe Gastrointestinale Lymphome (GSGL)
  • Studiengruppen für Multiple Myelome (DSMM und GMMG)
  • Deutsche Studiengruppe Posttransplantationslymphome (DPTLDSG)
  • Studiengruppen für ZNS-Lymphome (G-PCNSL-SG und Freiburger ZNS-Gruppe)

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