Auf dieser Seite finden Sie eine Auswahl an Fragen & Antworten, die bei der bundesweiten Telefonaktion 2008 erörtert wurden.
Chronische Lymphatische Leukämie
Niedrigmaligne (indolente) Lymphome
hochmaligne (aggressive) Lymphome
Was bedeutet "Monoklonale Gammopathie unbestimmter Signifikanz (MGUS)"? Worauf muss man sich bei dieser Diagnose einstellen?
Bei der "Monoklonalen Gammopathie unbestimmter Signifikanz" ist die Konzentration eines speziellen Eiweißes (eines Antikörpers) im Blut erhöht. Dieses Eiweiß wird von einem ganz bestimmten "Zellklon" gebildet, also nur von einheitlichen Plasmazellen. Das ist der Grund, warum das Eiweiß als "monoklonal" bezeichnet wird. Dieser Befund hat zunächst keinen Krankheitswert, er kann aber die Vorstufe einer behandlungsbedürftigen Plasmazellerkrankung sein. Daher ist es zunächst vor allem wichtig, den weiteren Verlauf zu beobachten. Das Risiko, schließlich doch ein Multiples Myelom oder eine andere behandlungsbedürftige Erkrankung aus dem Formenkreis der Leukämien und Lymphome zu entwickeln, beträgt innerhalb von 10 Jahren etwa 10 %.
Welche Stadien beim Multiplen Myelom/Plasmozytom gibt es?
Die Einteilung des Multiplen Myeloms/ Plasmozytoms nach Salmon und Durie wird seit über 30 Jahren verwendet (vgl. Tab. 1). Um den Verlauf der Erkrankung, der sehr unterschiedlich sein kann, noch besser einschätzen zu können, ist in den letzten Jahren
die ISS-Klassifikation entwickelt worden (vgl. Tab.2)
| Stadium | Kriterien |
|---|---|
| I | Alle der folgenden Kriterien treffen zu: |
| II | Patienten, die weder zum Stadium I noch zum Stadium III gehören. |
| III | Ein Kriterium oder mehrere der folgenden treffen zu:
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Subklassifizierung (A oder B)
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Beispiele:
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| ISS-Stadium | Laborparameter |
|---|---|
| I | Serum-β2-Mikroglobulin < 3,5 mg/l Serumalbumin ≥ 35 g/l |
| II | Serum-β2-Mikroglobulin < 3,5 mg/l Serumalbumin < 35 g/l oder Serum-β2-Mikroglobulin 3,5 bis < 5,5 mg/l |
| III | Serum-β2-Mikroglobulin ≥ 5,5 mg/l |
Wann ist ein Plasmozytom/Multiples Myelom behandlungsbedürftig?
Behandlungsbedürftigkeit liegt bei einem Myelom vor, wenn mindestens eines der sogenannten "CRAB"-Kriterien erfüllt ist:
Was bedeutet "autologe Tandem-Stammzelltransplantation", und wie ist derzeit der Stellenwert dieser Therapiemaßnahme beim Plasmozytom/Multiplen Myelom?
Bei einer Tandem-Stammzelltransplantation werden zwei Hochdosistherapien mit Unterstützung durch eigene blutbildende Stammzellen innerhalb von 6 Monaten durchgeführt. Der Begriff „Hochdosis“ bezieht sich dabei auf die Dosis der Chemotherapiemittel, die bei dieser Therapieform um mindestens das drei- bis zehnfache über der üblichen Dosis liegt. Die Chemotherapie wirkt umso besser, je höher die Dosis ist. Die höhere Dosis ist allerdings mit einem Anstieg an Nebenwirkungen verbunden. Da die Chemotherapie vor allem auf die Zellen des blutbildenden Systems im Knochenmark eine schädigende Wirkung hat, würde die Hochdosistherapie lebensgefährliche Folgen haben, wenn man nicht die zuvor gesammelten, eigenen (autologen) blutbildenden Stammzellen zurückgeben würde. Myelom-Patienten, die jünger als 70 sind, sollten grundsätzlich über die Möglichkeit einer Hochdosistherapie aufgeklärt und in einem Zentrum vorgestellt werden. Die Tandem-Transplantation wird in Deutschland bei Myelom-Patienten bis zum 65. bzw. 70. Lebensjahr empfohlen, die keine komplette Krankheitsrückbildung durch die erste Transplantation erreicht haben.
Welche Therapiemöglichkeiten kommen bei einem Rückfall nach autologer Stammzelltransplantation in Frage?
In dieser Situation kommen im Wesentlichen folgende Therapiemöglichkeiten in Frage:
Sollte bei der CLL grundsätzlich untersucht werden, ob Chromosomenveränderungen in den Leukämiezellen vorliegen? Wenn ja: Direkt bei Diagnosestellung oder erst, wenn Therapiebedürftigkeit besteht?
Die Chromosomen sind die Träger der Erbinformationen (Gene). Menschen haben in ihren Zellen 23 Chromosomenpaare, also insgesamt 46 Stück (je eines davon stammt von der Mutter, das andere vom Vater). In den CLL-Zellen können bestimmte Chromosomenveränderungen auftreten (s.u.). Außerhalb von Studien reicht es aus, wenn eine Untersuchung auf Chromosomenveränderungen durchgeführt wird, sobald Therapiebedürftigkeit vorliegt (s.u.). (WICHTIG: Die Chromosomenveränderungen, von denen hier die Rede ist, betreffen nur die Leukämiezellen - sie sind also nicht erblich!)
Was bedeuten die Bezeichnungen "11q-minus" und "17p-minus"? Welche Konsequenz für die Therapie haben diese Veränderungen?
Die Chromosomenpaare sind durchnummeriert von 1 bis 22 (bei dem 23. Chromosomenpaar handelt es sich um die Geschlechtschromosomen, die keine Nummer tragen, sondern einfach als X und Y bezeichnet werden). Die Zahlen "11" und "17" beziehen sich also auf die Nummer des Chromosomenpaares. Ein Chromosom ähnelt einem "X". Bildlich gesprochen hat es also 4 "Ärmchen", von denen zwei eher kurz (p) und zwei eher lang (q) sind. Das "minus" bezieht sich darauf, dass auf dem jeweiligen "Ärmchen" ein Stück verloren gegangen ist. Sowohl die 11q-minusalso auch die 17p-minus-Veränderung gelten als Risikofaktoren für den weiteren Verlauf. Dies hat Bedeutung für die Therapieplanung. In der neuen CLL10-Studie der Deutschen CLL-Studiengruppe, in der FCR [Fludarabin, Cyclophosphamid, Rituximab] mit BR [Bendamustin, Rituximab] verglichen wird, werden z.B. 17p-minus-Patienten nicht eingeschlossen, da es für diese Patienten wohl sinnvoller ist, sie direkt einer Alemtuzumabhaltigen Therapie zuzuführen.
Ich habe eine CLL, werde aber zurzeit überhaupt nicht behandelt. Hat das seine Richtigkeit? Bei den meisten Patienten verläuft die Krankheit schleichend, so dass der Verlauf nach der Diagnosestellung zunächst ohne Behandlung beobachtet werden kann. Nach wie vor gibt es keine Daten dazu, dass im Stadium A [zur Stadieneinteilung vgl. Tab.1] eine frühzeitige Therapie generell den natürlichen Verlauf der Erkrankung beeinflusst oder das Gesamtüberleben verlängert. Ob bei Vorliegen bestimmter Hochrisikofaktoren evtl. eine frühzeitige Therapie von Nutzen ist, wird zurzeit im Rahmen der CLL7-Studie untersucht. Therapiebedürftigkeit besteht in der Regel im Stadium Binet C sowie im Stadium Binet B in folgenden Situationen:
Wie ist der Stellenwert des Antikörpers Rituximab bei der CLL, insbesondere in der Primärtherapie, aber auch in der Erhaltung?
In der CLL8-Studie der Deutschen CLLStudiengruppe wurde bei 817 Patienten mit CLL als Erstlinientherapie FCR [Fludarabin, Cyclophosphamid, Rituximab] mit FC [Fludarabin, Cyclophosphamid] verglichen. In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass der Anteil der Patienten ohne Fortschreiten der Erkrankung durch die Zugabe des Antikörpers deutlich erhöht werden konnte. Als Erhaltungstherapie hat Rituximab bei der CLL zurzeit keinen Stellenwert.
Wie ist der Stellenwert der autologen und allogenen Stammzelltransplantation bei der CLL?
Die allogene Stammzelltransplantation von einem Familien- oder Fremdspender ist zurzeit die einzige Option mit dem Ziel der Heilung. Allerdings geht dieses Therapieverfahren mit einer hohen Rate an Komplikationen bis hin zu Todesfällen einher. Am ehesten würde man diese Option bei folgenden Patienten in Betracht ziehen:
Vor drei Jahren wurde ich wegen eines follikulären Lymphoms erfolgreich bestrahlt. Wie hoch ist jetzt die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall?
Bei etwa 15-20 % der Patienten mit einem follikulären Lymphom liegt ein frühes Krankheitsstadium vor (Stadium I und II). In diesen Fällen wird eine Strahlentherapie mit dem Ziel der Prof. Dr. Michael Herold (Helios Klinikum Erfurt) Heilung durchgeführt. 60-80 % der Patienten sind nach 5 Jahren noch krankheitsfrei.
Wie ist der Stellenwert von Interferon beim follikulären Lymphom? Wird dieses Mittel noch als Erhaltungstherapie eingesetzt?
Dass Interferon-alpha bei Patienten mit follikulären Lymphomen eine aktive Substanz zur Festigung des Therapieerfolgs ist, ist belegt. Es können allerdings relativ starke Nebenwirkungen auftreten, wie grippeähnliche Beschwerden, Appetitlosigkeit, Depressionen und Blutbildveränderungen. Es muss daher individuell unter Abwägung der tatsächlich beim einzelnen Patienten auftretenden Nebenwirkungen entschieden werden, ob (weiter) mit Interferon-alpha behandelt wird.
Gibt es eine Heilung beim Mantelzell-Lymphom?
Mantelzell-Lymphome sind relativ selten. Sie neigen in besonderer Weise zu Rückfällen nach der Chemotherapie, wodurch es bisher relativ schwierig war, das Lymphom zu heilen. Verschiedene Studien haben aber eine besondere Wirksamkeit von hoch dosiertem Cytarabin auf das Mantelzell-Lymphom zeigen können. Zurzeit prüft das europäische Mantelzell-Lymphom-Netzwerk daher bei Patienten, die jünger als 65 Jahre sind, die wechselweise aufeinander folgende Verabreichung von 3 Zyklen R-CHOP und 3 Zyklen R-DHAP [DHAP = Dexamethason, hoch dosiertes Cytarabin, Cisplatin] gegen den Standard mit 6 Zyklen R-CHOP. In beiden Therapiearmen schließt sich eine Hochdosistherapie mit autologer Stammzellentransplantation an. Hierbei wird im R-DHAP/R-CHOP-Therapiearm im Rahmen der Transplantations-Vorbehandlung [Konditionierung] neben der Ganzkörperbestrahlung und Melphalan ebenfalls hoch dosiertes Cytarabin eingesetzt.
Ich habe ein Mantelzell-Lymphom, und aufgrund eines Infektes hat sich bei mir die Therapie um 2 Wochen verzögert. Hat das einen ungünstigen Einfluss auf die Prognose?
Eine Therapieverzögerung von 2 Wochen hat in dieser Situation keinen relevanten Einfluss auf die Gesamtprognose. Wichtig ist vor allem, dass der Infekt unter Kontrolle gebracht wird.
Was ist Zevalin® [90Y-Ibritumomab-Tiuxetan] und in welchen Situationen kommt dieses Mittel zum Einsatz?
Die Radioimmuntherapie mit 90Y-Ibritumomab-Tiuxetan ist ein relativ neues Verfahren zur Behandlung der B-Zell-Lymphome. Dabei wird ein Antikörper gegen das sog. "CD20-Merkmal", gegen das sich auch der Antikörper Rituximab richtet und das mit hoher Dichte auf der Oberfläche von fast allen B-Lymphomzellen vorhanden ist, mit einem radioaktiven Teilchen gekoppelt (90Yttrium). Das Medikament wurde 2004 für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit follikulärem Lymphom zugelassen, die nach einer Behandlung mit Rituximab einen Rückfall haben oder nicht auf Rituximab ansprechen. In 2008 wurde die Zulassung erweitert. Jetzt können auch Patienten mit folllikulärem Lymphom zur "Konsolidierung", d.h. zur Festigung des in der Primärtherapie erreichten Behandlungserfolges, behandelt werden. In Studien wird zurzeit die Anwendung bei anderen Lymphomarten, wie z.B. Mantelzell-Lymphome, Hirnlymphome und diffus großzellige Lymphome, geprüft. Vielversprechend scheint auch die Integration einer hochdosierten Radioimmuntherapie in die Konditionierung vor einer autologen oder allogenen Stammzelltransplantation zu sein.
Meine Tochter (21) hat ein Hodgkin Lymphom und bekommt gerade den ersten Zyklus der Chemotherapie. Sie ist nur noch müde und schläft den ganzen Tag. Ist das normal?
Die Chemotherapie hat die Zerstörung der bösartigen Zellen zum Ziel. Die Therapie hat aber auch Nebenwirkungen. Da die Chemotherapie vor allem auf Zellen wirkt, die sich oft teilen, betreffen die Nebenwirkungen besonders Gewebe mit hohem Zellumsatz. Auch das blutbildende System gehört dazu, und so kommt es, dass unter der Chemotherapie die Blutzellwerte sinken. Wenn zuwenig Sauerstoffträger vorhanden sind - in Form des Hämoglobins, das den roten Blutkörperchen ihre Farbe verleiht - entsteht Schwäche und Müdigkeit. Der Zustand, den Sie beschreiben, ist also normal. Es ist davon auszugehen, dass die Schwäche mit dem Anstieg der Blutzellwerte auch wieder nachlässt.
Manchmal bleibt aber auch nach Abschluss der Behandlung eine chronische Erschöpfung bis hin zu einem schweren Erschöpfungssyndrom [sog. "Fatigue"] bestehen. Die genauen Ursachen des Erschöpfungssyndroms sind nicht vollständig geklärt, es wird aber davon ausgegangen, dass mehrere Faktoren an der Entstehung beteiligt sind.
Wie häufig sollten beim Hodgkin Lymphom Nachuntersuchungen durchgeführt werden? Müssen dabei unbedingt Computertomografien gemacht werden?
Die Nachsorgeuntersuchungen sollten im ersten Jahr nach Abschluss der Therapie nach 3, 6 und 12 Monaten durchgeführt werden, danach bis zum Ende des vierten Jahres nach Therapie-Ende halbjährlich und ab dem fünften Jahr jährlich. Die Nachsorge sollte folgendes beinhalten: Befragung des Patienten nach Beschwerden und Symptomen, eine körperliche Untersuchung, Blutuntersuchungen inklusive Differentialblutbild und die Bestimmung von BSG-, CRP- und TSH-Wert, eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs und eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums [BSG = Blutsenkung, CRP = C-reaktives Protein (ein Entzündungswert), TSH = Thyreoidea-stimulierendes Hormon (Thyreoidea = Schilddrüse)]. Ein CT muss nicht routinemäßig durchgeführt werden. Bei Bedarf, vor allem bei Verdacht auf einen Rückfall, kann und muss der Umfang der Untersuchungen erweitert werden.
Sollte eine Rehabilitation beantragt werden? Muss ich auf eine spezielle Ernährung achten?
Die Entscheidung für oder gegen eine Rehabilitation sollte in enger Abstimmung mit den behandelnden Ärzten erfolgen. Die Rehabilitation hat körperliche, seelische und soziale Ziele. Eine wichtige Rolle spielen die Schulung und Informationsvermittlung. Hierzu gehören die Aufklärung über Therapiefolgen, Verhaltensempfehlungen, aber auch die Beratung zu Ernährungs- und sozialrechtlichen Fragen. Die Unterstützung durch erfahrene Therapeuten oder der Erfahrungsaustausch mit anderen Patienten kann sehr hilfreich sein. Die Rehabilitation muss nicht zwangsläufig stationär, z.B. als Anschlussheilbehandlung, erfolgen. Es ist auch möglich, teilstationäre oder ambulante Angebote mit rehabilitativen Zielen wahrzunehmen. Bei der Entscheidung spielen letztendlich viele individuelle Faktoren eine Rolle, wie z.B. die Länge des bisherigen Krankenhausaufenthaltes, das Ausmaß der bestehenden körperlichen und seelischen Einschränkungen, die Unterstützungsmöglichkeiten im häuslichen Umfeld, die Entfernung zwischen Transplantationszentrum und dem Wohnort sowie die regional vorhandenen Angebote. Zur Ernährung: Grundsätzlich gilt sowohl für Gesunde als auch für Krebspatienten: Am besten ist es, sich abwechslungsreich und vollwertig zu ernähren. Die Empfehlungen der vollwertigen Kost genau zu befolgen, ist allerdings für Krebspatienten in manchen Situationen nicht möglich, z.B. wenn die Schleimhaut gereizt ist, die weißen Blutzellen besonders niedrig sind und dadurch die Infektgefahr steigt, oder wenn Durchfall, Appetitlosigkeit und Geschmacksveränderungen vorliegen. Es gibt einiges an Ratgeberliteratur zum Thema "Ernährung bei Krebs", nähere Informationen dazu sind z.B. bei der Deutschen Leukämie- & Lymphom-Hilfe erhältlich.
Wie häufig sind Spätschäden und Sekundärtumoren nach Behandlung eines Hodgkin Lymphoms?
Angesichts der guten Heilungschancen beim Hodgkin Lymphom nimmt die Bedeutung der Vermeidung und Erkennung therapiebedingter Schäden zu. Erfolgreich behandelte Patienten haben ein erhöhtes Risiko, in der Folgezeit bestimmte Krankheiten zu entwickeln. Dazu gehören Schädigungen der Herzmuskulatur, die durch sog. Anthrazykline, wie z.B. Doxorubicin, (mit)verursacht werden können. Außerdem ist das Risiko für eine weitere Tumorerkrankung erhöht. Zu nennen sind dabei insbesondere akute Leukämien, andere Lymphomerkrankungen und bestimmte solide Tumoren wie Brustkrebs. Das Risiko hierfür ist vor allem dann erhöht, wenn in der Nähe der Brust bestrahlt wurde. Wegen des erhöhten Krebsrisikos von geheilten Hodgkin Lymphom Patienten sollten die Angebote der allgemeinen Krebsvorsorge in besonderer Weise wahrgenommen werden. Andere häufiger beobachtete Spätfolgen sind Schilddrüsenfunktionsstörungen und das vorzeitige Einsetzen der Wechseljahre. Da bestimmte Substanzen, die zurzeit zur Behandlung des Hodgkin Lymphoms eingesetzt werden, dauerhafte Probleme mit der Fruchtbarkeit verursachen können, sollten bei Frauen und Männern im Vorfeld der Therapie vorbeugende Maßnahmen getroffen werden. [nähere Informationen unter: http://www.fertiprotekt.de].
Gibt es familiäre Häufungen?
In der Literatur wurden seltene Fälle von Familien beschrieben, in denen es eine Häufung von malignen Lymphomen gab. Ob dies erblich bedingt ist oder damit zusammenhängt, dass die Betroffenen denselben schädigenden äußeren Einflüssen ausgesetzt waren, konnte bis jetzt nicht sicher geklärt werden.
Ich bin 52 Jahre alt und habe einen Rückfall eines diffus großzelligen Lymphoms 3 Monate nach der Beendigung der Primärtherapie. Welche Therapie kommt jetzt in Frage?
Trotz der erreichten Erfolge in der Primärtherapie haben je nach Risikogruppe 25-40 % der Patienten einen Rückfall nach der Ersttherapie. Über 90 % der Rückfälle treten innerhalb der ersten zwei Jahre nach Abschluss der Ersttherapie auf. Die Prognose hängt dann
von den sog. „IPI-Kriterien“ [vgl. Tab. 3], aber auch von der Zeit ab, die seit dem Ende der Primärtherapie vergangen ist. Grundsätzlich sollte bei allen Patienten, die jünger als 60 sind und einen Rückfall haben, eine Hochdosistherapie angestrebt werden (bei älteren Patienten muss der Allgemeinzustand geprüft werden). Zunächst sollte eine intensive Chemotherapie über zwei bis vier Zyklen verabreicht werden, um die Tumorlast zu reduzieren und das Ansprechen auf die Chemotherapie beurteilen zu können. Bei CD20-positiven Lymphomen sollte eine Kombination mit Rituximab erfolgen. Wenn diese Therapie zu einem Ansprechen führt und Stammzellen gesammelt werden konnten, schließt sich eine Hochdosis-Chemotherapie an.
| Alter > 60 Jahre |
| Stadium III/IV |
| > 1 Befall außerhalb der Lymphknoten |
| Schlechter Allgemeinzustand |
| LDH oberhalb des Normwertes |
Ich habe ein diffus großzelliges Lymphom und nach dem 2. Chemotherapiezyklus mit R-CHOP ist der Laborwert "LDH" wieder angestiegen. Weist das auf eine erneute Krankheitsaktivität hin oder gibt es eine andere Erklärung?
Für einen Anstieg der LDH (Laktatdehydrogenase) gibt es zahlreiche verschiedene Ursachen. In der beschriebenen Situation wäre als Ursache vor allem an den Chemotherapiebedingten Zellzerfall zu denken, da durch den Zellzerfall LDH freigesetzt wird. Da die LDH aber auch ein Lymphomaktivitätsmarker ist, sollte bei einer LDH-Erhöhung eine eventuelle erneute Krankheitsaktivität durch weitere Untersuchungen ausgeschlossen werden.
Ich bin vor 3 Jahren wegen eines diffus großzelligen Lymphoms mit R-CHOP behandelt worden. Noch immer habe ich Schmerzen, Taubheit und Kribbeln in den Füßen und Unterschenkeln. Was kann man hiergegen tun?
Es ist bekannt, dass bestimmte Chemotherapien eine schädigende Wirkung auf die Nerven haben. Die beschriebenen Symptome passen zu dem Krankheitsbild der „Polyneuropathie“ (PNP). Hierbei liegt eine Schädigung der sog. "peripheren" Nerven vor. Zur Erläuterung: Das periphere Nervensystem umfasst jenen Teil des Nervensystems, der außerhalb des Gehirns und Rückenmarks liegt. Bei Patienten mit Lymphomen kommt als auslösende Ursache vor allem das Medikament "Vincristin", das im "CHOP"-Schema enthalten ist, in Frage. In leichten Fällen einer PNP kommt es innerhalb von einigen Wochen oder Monaten zu einer Rückbildung der Beschwerden. In schweren Fällen kann die PNP über Jahre bestehen bleiben. Die Beschwerden können durch Physiotherapie, Massage, Kälte- oder Wärmeanwendungen günstig beeinflusst werden. Bei starken Beschwerden können bestimmte antidepressive Medikamente (trizyklische Antidepressiva) oder antiepileptische Medikamente (wie u.a. Gabapentin, Pregabalin) zum Einsatz kommen.
Ich bin 42 Jahre alt und habe einen Rückfall eines T-Zell-Lymphoms nach autologer Stammzelltransplantation. Eine allogene Stammzelltransplantation kommt wegen eines fehlenden Spenders nicht in Frage. Was gibt es noch für Alternativen?
In dieser Situation kann eine Antikörpertherapie mit Alemtuzumab erwogen werden. Dieser Antikörper richtet sich gegen ein bestimmtes Oberflächenmerkmal auf Lymphozyten (CD52). Allerdings besteht bei diesem Antikörper ein erhöhtes Risiko für bestimmte Infektionen, z.B. durch Viren oder Pilze, so dass vorbeugend bestimmte antimikrobielle Medikamente verabreicht werden.
Bei mir wurde ein T-Zell-Lymphom im Darm diagnostiziert. Ist es mit der Operation ausreichend behandelt oder muss zusätzlich eine Chemotherapie durchgeführt werden?
Ein T-Zell-Lymphom ist meist ein relativ rasch wachsendes Lymphom. Es muss daher in diesem Fall davon ausgegangen werden, dass sich das Lymphom bereits über die Darmschleimhaut hinaus ausgebreitet hat. Eine Chemotherapie, z.B. mit dem Standardschema "CHOP", ist daher zu empfehlen, evtl. auch die Durchführung einer Transplantation.