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Hodgkin-Lymphom: eine heilbare Erkrankung - wie geht es weiter?

Köln, 15. September 2004

Prof. Dr. Volker Diehl (Kongresspräsident), KÖLN/HEIDELBERG

Hervorragende Heilungschancen beim Hodgkin-Lymphom sind das Resultat 25-jähriger Arbeit der Deutschen Hodgkin-Lymphom Studiengruppe (DHSG): Wäh-rend noch in den 70er Jahren die meisten Patienten an dieser Erkrankung starben, liegt die Heilungsrate heute auf Grund kontinuierlicher und systematischer Thera-pieoptimierung bei 90 Prozent in den frühen Erkrankungsstadien und bei 80-90 Prozent in den fortgeschrittenen Stadien, je nach verabreichter Therapiemodalität. "Wir haben erreicht, dass die meisten Patienten am Leben' bleiben, nun achten wir mehr und mehr darauf, wie sie sich im Leben' verhalten. Um die bisher noch allen Patienten, vor allem in den fortgeschrittenen Stadien, angebotene, sehr toxi-sche Therapie bei gleich bleibender hoher Heilungsquote abzumildern, müssen wir mit gezielterer Diagnostik diejenigen herausfiltern, die therapieresistent sind oder bei denen die Gefahr eines Rückfalls besteht. Diese Patienten müssen eine härtere Therapie erhalten. Diejenigen jedoch, deren Tumor nicht so aggressiv ist, müssen wir schonen." Dies betonte Professor Dr. Volker Diehl, Gründer und Leiter der DHSG, heute bei einer Veranstaltung zum Auftakt des 6. Internationalen Hodgkin-Symposiums, das vom 18.-21. September 2004 in Köln stattfindet.

Erfolgreiche Strategie der DHSG war es, die an einem Hodgkin-Lymphom erkrankten Patienten möglichst frühzeitig mit einer aggressiven Chemo- und/oder Strahlentherapie zu behandeln, damit schon zu Beginn der Therapie möglichst alle Tumorzellen vernichtet werden. Folge dieses Vorgehens sind jedoch Neben- und vor allem Spätfolgen der The-rapie. So ist das Risiko, an einem weiteren Tumor zu erkranken, für diese Patienten deut-lich erhöht. Das Bemühen der Wissenschaftler richtet sich deshalb nun darauf, die Inten-sität der Chemotherapie so weit wie möglich zu reduzieren, ohne dabei die erreichten hohen Heilungsraten zu gefährden. "Dabei gehen wir in der DHSG so vor, dass wir ver-suchen, dem Patienten eine je nach seinem individuellen Risikoprofil maßgeschneiderte Therapie zu geben. Auf der Basis unserer Erfahrungen, die wir aus der vorherigen Stu-diengeneration mit jeweils etwa 1.200 Studienpatienten gewonnen haben, nehmen wir die Chemo- und die Radiotherapie entsprechend zurück. Nur die Patienten, die ein hohes Risiko tragen, nicht auf die Therapie anzusprechen oder einen Rückfall der Erkrankung zu erleiden, werden aggressiver behandelt. Mit dieser konsequenten Strategie haben wir erreicht, in fast allen Stadien der Erkrankung 90 Prozent der Patienten langfristig von ihrem Tumor befreien zu können", so Diehl.

Immer noch können nicht alle an einem Hodgkin-Lymphom erkrankten Patienten geheilt werden, und manche erleiden tatsächlich einen Rückfall der Erkrankung, der dann deut-lich schwerer zu behandeln ist. Hier gilt es, durch genauere diagnostische Verfahren wie die Positronen-Emmissions-Tomographie (PET) oder neuere molekulare oder zytogeneti-sche Marker die Patienten herauszufiltern, bei denen die Gefahr besonders groß ist, dass sie ein Rezidiv erleiden oder dass bei ihnen die Therapie nicht anschlägt. Dieses Risiko kann beispielsweise durch genetische Analysen prognostiziert werden. Diese Hochrisiko-patienten müssen weiterhin mit einer aggressiven Chemotherapie behandelt werden, die anderen Gruppen können dagegen eine mildere Therapie erhalten. "Eine große Hoffnung setzen wir in die zielgerichtete molekulare Therapie, die es erlaubt, nur einzelne Tumor-zellen anzugreifen, die Normalzellen aber zu schonen", betonte Diehl. Diesen aufregen-den und zukunftsträchtigen Forschungsansätzen sind verschiedene international besetzte Workshops auf dem 6. Internationalen Hodgkin-Symposium gewidmet.

Vom Überleben zum Leben: Lange Zeit lag das Hauptaugenmerk der Forscher darauf, das Überleben der Patienten zu sichern. Sie wurden als geheilt entlassen - und fühlten sich alles andere als gesund. Eine Folge der intensiven Therapie ist beispielsweise das "Fatigue-Syndrom", ein chronischer Erschöpfungszustand, der die Lebensqualität der Betroffenen extrem beeinträchtigt. Hier sucht die DHSG Abhilfe: "Wir prüfen zum Bei-spiel in einer Studie, ob ein zusätzlich gegebenes Medikament (Erythropoetin) die Le-bensqualität der Patienten verbessern kann oder aber ob komplementäre Behandlungsme-thoden, die wir beispielsweise im Haus LebensWert anbieten, - wie Bewegungstherapie, Musiktherapie, Autogenes Training, psychologische Begleitung, Maltherapie - diese Symptome verbessern.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Volker Diehl
Haus LebensWert
Klinikum der Universität zu Köln
Joseph-Stelzmann-Str. 9
50924 Köln

Tel.: +49 221 478-7408 Haus Lebenswert
Fax: +49 221 478-5455
E-Mail: E-Mail-Adresse

Eine Darstellung der laufenden Studien der DHSG finden Sie in der Broschüre


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